Verfasst von: martinapuerkl | 01/04/2015

Weil ich ein Spaßverderber bin?

Auch dieses Silvester haben wieder Raketen und Kracher für einen Jahreswechsel mit Knalleffekt gesorgt. Die Stadtgemeine Mistelbach hat ebenfalls ein Feuerwerk gesponsert. Mit 3.500 Euro. Sorry, aber da kann ich nicht mit. Wir unterstützen mit öffentlichem Geld eine zwielichtige Angelegenheit.

Mist


Erschreckend sind schon die Hintergründe bei der Herstellung

Häufig arbeiten Kinder und Jugendliche in der Feuerwerksproduktion mit. Für eine Schulausbildung bleibt da natürlich keine Zeit. Hinzu kommen die schädlichen Stoffe mit denen die Heranwachsenden hantieren. Diese beeinträchtigen ihre Gesundheit oft für den Rest ihres Lebens. Die Angestellten leiden unter Asthma oder Tuberkulose. Und die Ursache ist der direkte Kontakt mit chemischen Substanzen wie Schwefel, Schwarz- und Aluminium-Pulver. Zudem finden aufgrund fehlender Sicherheitsvorkehrungen zahlreiche Unfälle statt. Über zehn Stunden Arbeitszeit täglich, Sechs-Tage-Wochen und keine Gehaltsentschädigungen während längerer Betriebspausen sind der Normalzustand.

Hoch lebe der Feinstaub

feinstaub
Die Farbenpracht entsteht durch Schwermetalle und PVC – nicht gerade ein Geschenk an uns und unsere Umwelt. Silvesterböller lassen die Schadstoffbelastung der Luft explosionsartig ansteigen. Untersuchungen zeigen: Am Neujahrstag ist die Luftbelastung mit gesundheitsgefährdendem Feinstaub vielerorts so hoch wie sonst im ganzen Jahr nicht. Darunter leiden wir Menschen – und die Tiere. (Grenzwertschwelle beim Feinstaub/PM 10 ist 50 an max 25 Tagen pro Jahr, das Bild zeigt die Werte für Mistelbach im Dezember/Jänner.

Angst und Schrecken

Für Tiere und ihr oft sehr feines Gehör ist das bunte Feuerwerk sowieso kein Genuss. Der impulsartige Lärm erschreckt sie, Panikreaktionen können zu Unfällen führen. Nicht nur Haustiere werden durch den Feuerwerkslärm gestört. Auch Wildtiere und hier vor allem Vögel werden in einer Zeit aufgeschreckt, in der ihre Nahrungsbasis dünn ist. Die Flucht vor dem ungewohnten Lärm verzehrt Energiereserven, die für einen langen Winter lebenswichtig sind.

Weitere Kosten für die Allgemeinheit oder „Die Deppen sterben nicht aus“

Neben Verbrennungen kommt es zu schweren Handverletzungen. Abgerissene Finger samt durchtrennter Knochen, Nerven und Blutgefäße gehören noch zu den harmloseren Fällen, im schlimmsten Fall verlieren Patienten die ganze Hand. Und neben Gehörschäden zählen Augenverletzungen zu den häufigsten Gründen, warum Menschen zu Silvester in die Notaufnahme kommen. Experten schätzen, dass rund 1.000 ÖsterreicherInnen jährlich schwere Hörschäden in Zusammenhang mit Krachern und Böllern erleiden. Die Folgen können Knalltraumen, ein Riss im Trommelfell oder Tinnitus sein – lateinisch für „das Klingeln der Ohren“, was die Erkrankung treffend beschreibt.

Und beim Neujahrsspaziergang watet man dann quasi durch den übriggebliebenen Abfall der Feuerwerker vom Vorabend. Es macht sich niemand die Mühe, die Reste einzusammeln und so bleiben auch diese Kosten der öffentlichen Hand – und damit uns allen.

Wenn man eine Umfrage in Deutschland auf Österreich umlegt, so pfeffern hierzulande ca. 2 Mio Menschen durchschnittlich 30 Euro in die Luft. Ergibt 60 Mio Euro für: Nix. Rechnet man dann noch die Kosten der Allgemeinheit fürs Mist-Wegräumen, Retten, Löschen etc. dazu … Aber wir haben‘s ja. (Zum Vergleich: für Licht ins Dunkel wurden 2014 5,8 Millionen Euro gespendet.) Und da macht die Stadt Mistelbach mit. Unsererseits gab es keine Zustimmung zu diesem Förderantrag. Übrigens, sogar die Mistelbacher Umweltgemeinderäte der ÖVP und SPÖ hatten keine Bedenken und haben zugestimmt.

Nachtrag: in Mistelbach betätigten sich zu Silvester 2014 noch ein paar ganz besondere Knalltüten mit einem – höchstwahrscheinlich verbotenen – Böller. Sie zerstörten damit Auslagen und eine Eingangstür und verursachten mehrere tausend Euro Schaden. Ob sie ausgeforscht werden können, ist unsicher. Es kommen hier mehrere Delikte zusammen: Sachbeschädigung, Verstoß gegen das Pyrotechnikgesetz und Gefährdung der allgemeinen Sicherheit.

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